Wie einige bereits mitbekommen haben, wurde bei mir letztes Jahr ein Aorten Aneurysma und eine bikuspide Aortenklappe diagnostiziert. Was heißt sowas allerdings genau?! Eine bikuspide Aortenklappe bedeutet, dass man statt 3 nur 2 Klappenflügel hat. Dies ist ein Fehler den man von Geburt an hat und nur 1% aller Herzklappen Patienten aufweisen. Durch diesen Herzklappenfehler hat sich über die Jahre so viel Druck aufgebaut, dass sich dadurch ein Aneurysma am Aorten Bogen gebildet hat.

Übersetzt heißt das, dass man eine tickende Zeitbombe ist! Hört sich schlimm an und ist es auch, was ich im ersten Moment noch nicht richtig realisierte, mir aber bei einem Fachgespräch ziemlich schnell klar gemacht wurde. Das hieß für mich, ab sofort keinen Sport mehr, aber wirklich auch keinen, denn sonst besteht Lebensgefahr. Kurz und knapp übersetzt, es bestand die Möglichkeit das ich bei einem Lauf einfach umfalle und alles wäre vorbei gewesen.

Aber wer mich kennt weiß auch, dass ich die meisten Dinge positiv angehe. Das positivste an der Sache war die Entdeckung dieser Krankheit, denn bei vielen wird dies gar nicht entdeckt. Somit konnte mir geholfen werden, auch wenn das nur durch eine Operation möglich ist, da Medikamente hier nichts ausrichten können. Deshalb wurde schon im Frühjahr ein Termin dafür vereinbart, denn wir wollten erst die Geburt unseres Sohnes abwarten (übrigens der schönste Momente in meinem Leben!).

Leider hat sich alles etwas nach hinten verschoben, da die Corona Krise uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, aber dafür konnte ich noch beim Brooks Run Happy Meeting teilnehmen und meine #Brooksfamily mit meiner Teilnahme überraschen.

Doch dann ging alles schneller als gedacht. Als Termin wurde mir der 20. April mitgeteilt und ich reiste 2 Tage früher an der Uniklinik Würzburg an. Für Würzburg hatten wir uns entschieden, da hier ein Spezialist für Rekonstruktionen von Herzklappen tätig ist. Wir wollten natürlich den optimalsten Weg gehen um eine spätere Nachoperation oder die lebenslange Einnahme von Medikamenten zu vermeiden. Außerdem wollte ich doch auch zukünftig meiner Leidenschaft dem Laufen nachgehen.

Die OP am 20. April verlief glücklicherweise absolut nach Plan, meine Herzklappe konnte rekonstruiert und das Aneurysma am Aortenbogen mit Hilfe eines Implantate entfernt werden. Den ersten Tag verbrachte ich auf der Intensivstation, den zweiten Tag auf einer Zwischenstation und am dritten Tag kam ich dann schon ein die normale Station nach oben. Auch wenn ich an Tag 3 nochmals eine kurze Komplikation durch ein Vorhofflimmern hatte, erholte ich mich doch relativ schnell. Es wurde vom ersten Tag an darauf geachtet, dass man sich bewegt um schnell wieder auf die Beine zu kommen und nachdem ich mich am zweiten Tag schon alleine waschen durfte bzw. konnte und das sitzen super funktionierte wurde ich von Tag zu Tag immer mobiler.

An dieser Stelle möchte ich auch nochmals DANKE sagen, danke für die tolle Betreuung in der Uni Klinik Würzburg und vor allem danke an Herrn Dr. Prof. Leyh für diesen wahnsinnig schweren aber toll gelungenen Eingriff.

8 Tage nach der Operation durfte ich schon das Krankhaus verlassen und nach einer Nacht Zuhause bei meiner Familie die Reha im Klinikum Höhenried am Starnberger See antreten. Die paar Stunden die ich bei meiner Familie sein konnte war für mich enorm wichtig vor allem für meine Psyche. Es ist nicht einfach durch das Besuchsverbot 300 km von Daheim entfernt zu sein und keine Möglichkeit zu haben seine Liebsten zu sehen. Vor allem passiert in 8 Tagen sehr viel bei einem Kleinkind, was man leider nicht live miterleben kann. Aber auch hier muss man die Sache positiv sehen, klar kann man ein paar Wochen seinen kleinen Sohn nicht sehen, sieht ihn in dieser Zeit nicht wachsen und kann nicht bei seinen Fortschritten mit dabei sein, ABER durch die Operation ist es mir möglich wieder völlig gesund bei meinen Liebsten zu sein und kann mich lange um sie kümmern!

Die ersten Tage in der Reha waren ganz schön anstrengend, vor allem weil hier in Höhenried alle Wege sich ziemlich in die Länge ziehen. Allerdings fördert das die Ausdauer und so wurde ich von Tag zu Tag immer fitter. Und der Ehrgeiz eines Sportlers lässt einen niemals wirklich los, was mich täglich zu Trainingseinheiten wie Ergometer, Medizinisch Technischem Training und vielen Spaziergängen anspornte. Nur mit Fleiß wird man wieder gesund und fit!

Die Entscheidung nach Höhenried/Bernried war definitiv die richtige Entscheidung, da ich erstens nahe an meiner Familie bin, was mir psychisch schon mal sehr viel half und zweitens ist das Gelände, die Lage und die Atmosphäre hier einfach einzigartig. Klar gibt es immer Dinge die man verbessern kann, aber im Großen und Ganzen hat das positive überwogen und da ich von zwei tollen Menschen während dieser Zeit begleitet wurde, die ich gleich am ersten Tag kennen lernen durfte, viel einem alles noch leichter.

Jetzt heißt es weiter machen, aber auch noch in gewisser Weise nichts zu übertreiben. 3 Monate dauert es bis alles verheilt ist und dann erst ist es mir auch möglich nach dem Go vom Arzt hoffentlich endlich meine erste Laufeinheit zu bestreiten. Ehrlich gesagt kann ich es kaum erwarten.