Die Zeit in Bernried ist nun vorbei und der Alltag kann langsam wieder beginnen. Nachdem die Reha eigentlich ganz gut verlaufen war, habe ich kurz vor Ende leider noch mit einem herben Rückschlag kämpfen müssen. Kurz vor Ende stand mein Belastungs-EKG an, auf das ich mich schon sehr lange gefreut habe. Endlich wieder auspowern, bis an die Grenzen gehen um zu schauen, wie mein aktueller Fitnessstand nach der OP ist und in welchen Bereichen ich langsam meine Fitness wieder aufbauen kann.

Anders wie erhofft, musste das Belastungs-EKG nach kurzer Zeit abgebrochen werden. Ich war noch nicht mal annähernd warm oder hatte Schweiß auf der Stirn. Grund hierfür war die Überschreitung der Grenzwerte meines Blutdruckes. Aber wie konnte das sein? Ich war beim Ergometer Training bei weitaus mehr Watt, mein Puls bei etwa 100 Schläge pro Minute und Probleme beim Blutdruck hatte ich hierbei noch nie. Auch nach der Untersuchung haben wir beim Ergo Training sofort wieder den Blutdruck überprüft, da wir natürlich wissen wollten ob dieses Ergebnis so stimmen kann, aber es gab keinerlei Anzeichen eines erhöhten Blutdruckes beim Training. War es etwa die Aufregung?!? Aus diesem Grund wurde natürlich ein weiteres Belastungs-EKG nach meiner Entlassung und bei meinem Kardiologen angestrebt.

Aber erst einmal musste ich zu Hause ankommen, langsam in den Alltag zurück finden und mich an vieles wieder gewöhnen. Allerdings konnte ich es auch kaum erwarten endlich meine Familie wieder zu sehen, die ich auf Grund der Corona Krise bis auf zweimal nur über Videotelefonie sehen konnte. Es ist schon enorm wie sich ein Kleinkind innerhalb von einer so kurzen Zeit weiterentwickelt, dass wird einem nach einer solchen Trennung noch intensiver bewusst. Und auch wenn klar war, dass ich meinen Kleinen nicht an mich nehmen und herum tragen darf, das wichtigste war endlich wieder bei meinen Lieben zu sein.

Der Alltag war auf Grund meiner Einschränkungen natürlich komplett anders als ich es gewohnt war. Ich durfte nichts schweres heben, war von der Bewegung enorm eingeschränkt, Autofahren war tabu und Sport konnte ich nur auf der Rad-Rolle machen, da jede Erschütterung gefährlich war. Man kommt sich echt wahnsinnig doof vor, wenn man zum gemeinsam Einkaufen kutschiert wird, den Einkaufswagen nicht schieben darf, das Baby nicht tragen kann und die Einkäufe von seiner Frau ins Auto heben lassen muss. Aber da muss man durch und stark sein, denn diese Zeit ist absehbar! Aber was macht in diesem Zeitraum um ausgeglichen zu sein und langsam wieder fitter zu werden?!

Erst einmal standen die ersten Arztuntersuchungen und das erwartete Belastungs-EKG nach der Reha bei mir an. Mein Herz, die Wundheilung, die Dichtigkeit der rekonstruierten Herzklappe waren in einem grünen Bereich und das Heilen des Brustbeins verlief normal, aber dauerte noch an. Dann durfte ich endlich auf das Ergometer und wurde verkabelt. Da allerdings immer noch auf Corona geachtet werden muss, musste ich mit Maske radeln, aber es gibt schlimmeres. Dann ging es endlich los, ich fing an in die Pedale zu treten und merkte am Anfang kaum Widerstand. Danach wurde alle 2 Minuten die Watt erhöht, bis bei 175 Watt abgebrochen wurde. Aber was hieß das jetzt? Nachdem mein Puls bei etwa 100 Schläge pro Minute, mein Blutdruck in einem angemessen Bereich lag und ich eigentlich noch power für mehr hatte, war das ein sehr gutes und zufriedenstellendes Ergebnis. Klar war aber auch, dass in nächster Zeit erst mal regelmäßige Untersuchungen und Checks anstehen, damit alles auch seinen gewollten Lauf nimmt.

Jetzt musste ich mir etwas überlegen um wieder Fitter zu werden, obwohl die meisten Sportarten tabu waren. Deshalb überlegt ich erst einmal, was darf ich denn ausüben?! Ergometer Training und spazieren gehen, aber wie steigere ich das ohne das es eine Gefahr darstellt. Die Steigerung vom Ergometer wäre Rad fahren gewesen und das ist definitiv nicht möglich. Also hab ich mir von einem Freund die Rennrad Rolle ausgeliehen, mein Mountainbike auf den Balkon gestellt und habe immer wieder darauf trainiert. Ruhiges und entspanntes Fahrradfahren auf dem Balkon, so habe ich mich bewegt und Erschütterungen konnten vermieden werden. Wie steigert man spazieren gehen, genau mit dem was glücklicherweise bei uns vor der Türe ist, Berg gehen. Aber bin ich wirklich schon wieder so fit um das zu tun. Deshalb fing ich ganz klein und langsam an. Natürlich auch immer mit Begleitung, damit im Notfall jemand dabei ist, außerdem macht Wandern in Begleitung viel mehr Spaß.

Im Großen und Ganzen bin ich mit dem Krankheitsverlauf mehr als zufrieden, bin mittlerweile wieder arbeiten und kann bald die Medikamente absetzen. Auch ist die Zeit des Sportverbotes absehbar und ich kann schon sehr bald meiner großen Leidenschaft dem Laufen wieder nachgehen. Sicher muss der Aufbau sehr langsam von statten gehen, aber die Hauptsache ich doch sich wieder bewegen zu können und seinen Ausgleich zu finden.